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Bei klassischen Vergabeverfahren wird Planung und Ausführung strikt voneinander getrennt. Die Integrierte Projektabwicklung (IPA), international bekannt als Integrated Project Delivery (IPD) oder Project Alliancing, setzt auf die Kooperation aller Baubeteiligten. Einzelverträge mit den jeweiligen Akteuren werden durch einen gesammelten Mehrparteienvertrag abgelöst.

Konkret wird der Mehrparteienvertrag von dem Bauherrn, den Planern und Ausführenden gemeinsam unterzeichnet. Der Vertrag bildet die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit während der Projektlaufzeit. Das IPA-Zentrum beschreibt das Modell wie folgt:

„Die Integrierte Projektabwicklung (IPA) ist ein Projektabwicklungsmodell für anspruchsvolle Bauprojekte, das international seit über 20 Jahren praktiziert und erprobt ist.“

In Bezug auf den deutschen Raum begegnet uns IPA jedoch als neu praktiziertes Vergabeverfahren, welches sich – nach unserer Einschätzung – zukünftig durchsetzen könnte.

Traditionelle Vergabeverfahren trennen Planung und Ausführung strikt voneinander

Alle Akteure schließen einen gemeinsamen Vertrag, der folgende Prinzipien beinhaltet:

  • Mehrparteienvertrag: Alle Partner schließen einen gemeinschaftlichen Vertrag
  • Gemeinsame Verantwortung für Qualität, Kosten und Termine
  • Gemeinsames Risikomanagement
  • Gemeinsames Entscheiden und Kontrolle
  • Gemeinsame Zielentwicklung
  • Pain/Gain-Share Modell: Partner haften und profitieren gemeinschaftlich für die Über- und Untererreichung gesetzter Ziele
  • Gewinn- und Verlustteilung unter den Vertragsparteien
  • Haftungsausschluss zwischen den Hauptpartnern für interne Ansprüche

Besonders komplexe Projekte lassen sich durch die Bildung einer Allianz besser umsetzen. Das Ziel ist für alle das gleiche. Auf dem Weg dahin wird bautechnisches und logistisches Wissen frühzeitig eingebunden.

Der IPA Mehrparteienvertrag bringt alle Hauptakteure zusammen

Die Grafik zeigt vereinfacht, wie der Mehrparteienvertrag alle Hauptakteure partnerschaftlich in einer Projektallianz vereint. Die jeweiligen Akteure können weiterhin Einzelverträge mit Sonderfachleuten oder Nachunternehmern schließen. (TGA = Technische Gebäudeausrüstung)

Allem voran geht ein Assessment-Center

Innerhalb eines Assessment-Centers simulieren Schauspielende eine realitätsnahe IPA-Situation. Teilnehmende sind die im Wettbewerb stehenden Unternehmen. Das Assessment-Center wird von einer Psychologin bzw. einem Psychologen begleitet und durch vorab festgelegte Kriterien bewertet.

Bewertungsgrundlage sind u. a. folgende IPA-relevante Softskills:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Konfliktlösungskompetenz
  • Zielorientierung

Nachdem das Assessment-Center durchgespielt wurde und die Auswertung vorliegt, werden diejenigen Unternehmen informiert, die die Ausschreibung gewonnen haben und sich dem Bauprojekt annehmen dürfen.

Salvia berichtet aus der Praxis

Je komplexer das Bauvorhaben, umso relevanter wird der Mehrparteienvertrag. Mehrparteienverträge bringen klare Vorteile mit sich:

  • Alle Akteure haben ein gemeinsames Verständnis der Bauaufgabe
  • Die enge Kommunikation zwischen den Beteiligten ermöglicht das Projekt mit weniger Missverständnissen und Fehlentscheidungen durchzuführen

Andre Iding, Senior Projektleiter bei Salvia Gebäudetechnik verspricht sich viel von der gemeinschaftlichen Vertragsform:

„Endlich schreiben wir uns gegenseitig keine Behinderungsanzeigen mehr, sondern arbeiten tatsächlich zusammen.“

Praxisbeispiel: Universität Bielefeld, dritter Bauabschnitt

Im November 2025 unterzeichnet Salvia als einer von sieben Akteuren den Mehrparteienvertrag zur Sanierung des dritten Bauabschnitts des Universitätshauptgebäudes Bielefeld. Das Sanierungsprojekt wurde in mehrere Bauphasen unterteilt. Die anstehende dritte Bauphase gilt als komplex, denn Teile des Gebäudes werden abgerissen und durch moderne Labor- und Forschungsbereiche ersetzt.

Die IPA Allianz fürs Bauvorhaben UHG Bielefeld

Filippo Salvia ganz rechts zusammen mit der IPA-Allianz. Präsentiert wird der Mehrparteienvertrag für den dritten Bauabschnitt des UHGs Bielefeld. Foto Credits: BLB NRW

Förderung der direkten Kommunikation

Um direkte Kommunikation und kurze Abstimmungswege zu fördern, werden gemeinsame Arbeitsräume geschaffen. Für das UHG-Projekt schafft der BLB NRW eine Co-Location in Bielefeld. Durch den gemeinsamen Ort werden die bestehenden Grenzen zwischen den beteiligten Unternehmen aufgebrochen. Vielmehr wird ein Ort für interdisziplinäre Zusammenarbeit geschaffen.

Im Falle des UHGs Bielefeld hat der BLB NRW eine Co-Location in Campus-Nähe realisiert, in der es während der Planungsphase zwei bis drei Präsenztage pro Woche gibt.

Wir freuen uns auf das anstehende Projekt und die neue Form der gemeinschaftlichen Zusammenarbeit.

Quellen

https://www.blb.nrw.de/
https://ipa-zentrum.de/wissen/

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